Es war eine Premiere: Am Donnerstag, den 30.04.2020, führte die AG “Innerparteiliche Schulung und Bildung” der LINKEN Köln online ihr erstes Webinar durch. Alex Recht, Mitorganisator der AG und Lehrer an einem kaufmännischen Berufskolleg in Köln, referierte zum Thema: “Was ist der Mehrwert?”

Anlass für das Webinar waren die Ausgangsbeschränkungen in Zeiten von Corona. Doch nicht nur das: Webinare ermöglichen die Beteiligung von Interessierten, die an Präsenzveranstaltungen wegen eingeschränkter Mobilität oder großer Distanz zum Veranstaltungsort nicht teilnehmen könnten. Webinare können daher auch nach Corona die Präsenzveranstaltungen der AG sinnvoll ergänzen.

Vor Beginn des Referats wurde erläutert, dass das Ziel des Abends nur in einem Einstieg in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie lag. Auf Vertiefungen, etwa zur Erfordernis des Ausdrucks von Wert in Geld oder zur Transformation von Werten in Produktionspreise, wurde verzichtet.

Am Anfang seiner Ausführungen erläuterte Alex, dass sich der Wert einer Ware nach Marx aus zweierlei zusammensetzt: aus der Übertragung der in den Produktionsmitteln enthaltenen Werte durch konkrete Arbeit und aus der Neubildung von Wert durch abstrakte Arbeit, gemessen an der Arbeitszeit.

Es folgte eine Beschäftigung mit der Zirkulationsform des Kapitals: G – W: PM, AK – P – W’ – G’. Ein kapitalistisches Unternehmen kauft mit Geld (G) zwei Arten von Waren (W): Produktionsmittel (PM) und Arbeitskraft (AK). Hiermit produziert (P) es transformierte Waren (W‘). Diese verkauft es für Geld (G’), so dass G’ > G ist. Die Differenz zwischen G’ und G ist der Mehrwert, der jedoch nur durch äquivalenten Tausch erzielt wird. Wie aber ist das möglich?

Der Wert der innerhalb eines Arbeitstages eingesetzten Arbeitskraft ergibt sich aus dem Wert der zur Reproduktion der Arbeiter nötigen Lebensmittel und wird als Lohn gezahlt. Arbeitskraft bildet durch Verrichtung abstrakter Arbeit innerhalb dieses Arbeitstages neuen Wert. Mehrwert wird erzeugt, indem Arbeitskraft durch abstrakte Arbeit mehr Wert bildet, als sie das Unternehmen an Lohn kostet.

Kapitalistische Unternehmen möchten den Mehrwert maximieren. Ausgehend von einem Basisfall stellte Alex drei Szenarien der Mehrwertsteigerung vor. Das erste besteht im Versuch kapitalistischer Unternehmen, im Rahmen absoluter Mehrwertproduktion den Arbeitstag zu verlängern. Infolge erfolgreicher Kämpfe der Lohnabhängigen wurden jedoch in vielen Ländern Arbeitszeitgesetze verabschiedet, die diese Mehrwertsteigerung behindern.

Das zweite Szenario der Mehrwertsteigerung bewegt sich im Rahmen relativer Mehrwertproduktion: Ein einzelnes Unternehmen ersetzt als Pionier Arbeitskraft durch Maschinerie und steigert so die Produktivität. Dies verschafft ihm die Möglichkeit, Waren zeitweilig zu einem Wert zu veräußern, der geringer ist als der Wert der Konkurrenzwaren und höher als der indivividuelle Wert. Hierdurch erzielt das Pionierunternehmen einen Extramehrwert.

Die Konkurrenzunternehmen ziehen jedoch mit Rationalisierungsinvestitionen nach, wodurch der Extramehrwert des Pioniers verschwindet. Hierdurch steigt aber auch die Produktivität flächendeckend, so dass der Wert der Lebensmittel und also der Arbeitskraft sinkt. In diesem dritten Szenario erhöht sich im Zuge relativer Mehrwertproduktion der Mehrwert aller Unternehmen, wenn es den Arbeitern nicht gelingt, ihre Reallöhne mit der gestiegenen Produktivität anzuheben.

Erfolgreiche Webinar-Premiere: "Was ist der Mehrwert?" Erfolgreiche Webinar-Premiere: "Was ist der Mehrwert?" Erfolgreiche Webinar-Premiere: "Was ist der Mehrwert?"

Dies leitete zur Politik über. Sozialisten wollen die Reallöhne mit der gestiegenen Produktivität und noch darüber hinaus erhöhen. Überdies möchten sie das Mehrprodukt der alleinigen privaten Verfügung entziehen: Der Mehrwert kann etwa durch Steuern für gesellschaftliche Zwecke abgeschöpft werden; oder die Produktion erfolgt in gesellschaftlich geregeltem Eigentum, so dass der Mehrwert in größerem Ausmaß der Gesellschaft zukommt. Obendrein kommt es darauf an, Produktion und Zirkulation gesellschaftlich zu regulieren.

Zum Abschluss des Webinars wurden mehrere Fragen diskutiert: zur Abgrenzung zwischen Mehrwert und Renten in der Landwirtschaft, zur Verbilligung von Maschinerie durch Produktivitätssteigerungen und zur Marxschen These vom tendenziellen Fall der Profitrate. Das Webinar wurde von 16 zumeist jüngeren Genossinnen und Genossen besucht und gut aufgenommen.

Die AG “Innerparteilche Schulung und Bildung” wird daher weitere Webinare anbieten, und zwar das nächste zum Thema “Rent-Gap und Gentrifizierung”. Der Termin dazu wird noch bekanntgegeben werden.