Aktion im Gerlingviertel

Bezirksvertreter Manfred Müller hat bereits 2016 mit Recht-auf-Stadt-Aktivisten im Gerling-Quartier protestiert

“Willkommen im Gerling-Quartier, der neuen Luxuswohngegend in der Kölner Innenstadt. Wir befinden uns hier auf dem zentralen Gereonshof, der bei der Baugenehmigung der Stadt für dieses Areal eine entscheidende Rolle spielte. Der Bauherr versprach damals, sein Grundstück mit allen zu teilen, so wie St. Martin seinen Mantel. Er versprach, einen urbanen öffentlichen Ort zu schaffen, einen – so wörtlich – „mediterranen, lebendigen Platz nach dem Vorbild der Piazza Navona in Rom und so das Ensemble der Öffentlichkeit zurückzugeben.“

Nun ist dieser Platz aber alles andere als lebendig. Alle Menschen, die hier verweilen wollen, werden von einem privaten Sicherheitsdienst vertrieben. Das ist nur deshalb möglich, weil die Stadt Köln in ihrer devoten Haltung gegenüber Investoren „vergessen“ hat, ein umfassendes Nutzungsrecht für die Bevölkerung in das Grundbuch einzutragen. Es gibt lediglich ein begrenztes Wegerecht. Ich kann sogar verstehen, dass für die Eigentümer selbst dieses Wegerecht schon zu viel ist.

Man stelle sich nur mal vor, das an einem Sonntagabend, nehmen wir zum Beispiel den 13. Juni, um 20 Uhr, Menschen beschließen, sich am Büdchen ein Bier zu holen und über den Platz hier nach Hause zu gehen. Und stellen wir uns vor, das sind nicht nur 1, 2, 3 Menschen, sondern 10, 20, 30, 100, die zufällig gleichzeitig den Platz überqueren. Dann entsteht ein Gedrängel, Fahrradklingeln sind zu hören, lautes Gemurmel, Spinner mit Bluetoothboxen. Und es ist ja sogar denkbar, dass die Menschen am Ende des Platzes merken, mein Bier ist schon leer. Also alle wieder zurück über den Platz, das Wegerecht in Anspruch nehmend, zum Büdchen und wieder über den Platz.

Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber was passiert, wenn die Passant*innen dann merken, dass sie auch noch Zigaretten brauchen. Also alle wieder hin und zurück über den Platz. So könnte dieses Spielchen endlos weitergehen, ohne dass die hier wohnenden Leistungsträger der Gesellschaft ihre verdiente Ruhe finden können. Hoffen wir das Beste, dass es am Sonntag um 20 Uhr nicht so weit kommt…” (Sebastian Tautkus)