Kreisverband Köln

“Marx in Kürze”: Kritik der politischen Ökonomie

Kurz vor Beginn der Ferien fand am 12.07.2018 die letzte Veranstaltung der Schulungsreihe „Marx in Kürze“ statt. Nachdem es in den ersten beiden Veranstaltungen ums Marxsche und marxistische Geschichtsverständnis sowie die Marxsche und marxistische Klassentheorie ging, referierte auf der dritten Veranstaltung Alex Recht zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie.

Am Beginn seiner Ausführungen erörterte Alex, was unter „Kritik“ und „politischer Ökonomie“ zu verstehen ist und in welcher Reihenfolge Marxens Hauptwerk, Band I des „Kapitals“, gelesen werden könnte. Deutlich wurde: Nicht nur die Interpreten des Marxschen Hauptwerkes sind sich in der Frage der Reihenfolge uneinig, sondern auch Marx selbst hat hierzu unterschiedliche Empfehlungen abgegeben.

Daraufhin skizzierte Alex den Ablauf seines eigenen Referats: Da es sich nur um eine Einführung handele, würden (anders als in einem früheren Vortrag) die ersten Kapitel im „Kapital“ zur Wertformanalyse ausgelassen. Stattdessen werde die Marxsche Werttheorie mit Wertbestimmung, Ausbeutung und Akkumulation erläutert. Basis hierfür war ein PowerPoint-Vortrag, der neben Alex‘ eigenen Darlegungen auch etliche Marx-Zitate zur Lektüre der Teilnehmenden sowie werttheoretische Rechenbeispiele enthielt.

Zunächst schilderte Alex, dass Marx zufolge der Kapitalismus zu seiner Entstehung auf bereits zuvor vorhandenes Kapital angewiesen war. Dieser von Marx als “sogenannte ursprüngliche Akkumulation” bezeichnete Sachverhalt umfasst historische Ereignisse wie die Auflösung feudaler Schranken, die Vertreibung der Landbevölkerung durch Konkurrenz und Verlust von Eigentum, die Proletarisierung ehemaliger Bauern oder die Herstellung eines inneren Markts für das industrielle Kapital.

Hierauf erläuterte Alex den Marxschen Ansatz des Doppelcharakters von Ware und Arbeit sowie die Marxsche Werttheorie mit ihrer Wertbestimmung durch Arbeit. Dabei versuchte er anhand geeigneter Beispiele den Unterschied zwischen der Marxschen Werttheorie, die die gesellschaftliche Geltung von Werten betont, und der substanzorientierten Arbeitswerttheorie nach David Ricardo herauszuarbeiten.

Im folgenden Schritt widmete sich Alex der Marxschen Auffassung des Produktionsprozesses als Arbeits- und Verwertungsprozess. Nach Marx wird Mehrwert produziert, indem die wertbildende Arbeitszeit der Arbeitskräfte in der Produktion größer ist als die Arbeitszeit, die zur Produktion jener Lebensmittel vonnöten ist, die die Arbeitskräfte zu ihrer Reproduktion brauchen. Damit das in Geldform vorgeschossene Kapital sich am Ende in mehr Geld verwandelt, müssen jedoch die Waren, in denen der Mehrwert „steckt“, auch verkauft werden. Die Erzielung von Mehrwert ist daher nach Marx sowohl auf Produktion wie auch auf Tausch angewiesen.

Im letzten Schritt erläuterte Alex die Marxsche Auffassung von Akkumulation anhand von Beispielen der Wertrechnung: zum einen die Erzielung von Mehrwert durch Ausdehnung von Arbeitszeit, was Marx “die Produktion absoluten Mehrwerts” nennt, zum anderen “die Produktion des relativen Mehrwerts” durch einen reduzierten Wert der Arbeitskraft infolge technologisch ermöglichter Produktivitätssteigerungen.

Anhand des Beispiels der relativen Mehrwertproduktion versuchte Alex zum Ende seiner Ausführungen klarzumachen, dass in der Marxschen Theorie die gesellschaftlichen Ergebnisse von den Absichten der gesellschaftlichen Akteure abweichen können. Absicht eines kapitalistischen Betriebes ist es, als Pionier durch technologisch ermöglichte Produktivitätssteigerungen einen Extramehrwert zu erzielen. Da jedoch die Konkurrenten die Innovationen des Pioniers nachahmen, ist der Extramehrwert eines jeden Pioniers in der Regel nur von begrenzter Dauer und verschwindet wieder.

Aufgrund der technologischen Innovationen bleibt jedoch ein von den Pionieren nicht beabsichtigtes gesellschaftliches Resultat: Es ist weniger Arbeitszeit zur Produktion jener Lebensmittel vonnöten, die die Arbeitskräfte tagtäglich benötigen. Dadurch sinkt der Wert der Arbeitskraft und steigt der Mehrwert – es sei denn, es gelingt den organisierten Arbeitskräften, den Lohn als historisch-moralisch umkämpfte Größe im Umfang der technologisch verursachten Steigerung der Arbeitsproduktivität anzuheben.

Nach Ende des Referats diskutierten die Teilnehmenden mit den Organisatoren der Schulungsreihe, inwiefern die Reihe fortgesetzt werden könnte. Als mögliche künftige Themen wurden die Marxsche Wertformanalyse, die Marxsche Theorie der Grundrente, das Marxsche Verständnis von Natur sowie mögliche Formen sozialistischer Produktions- und Lebensweisen vorgeschlagen.

Hinweise zum Referenten: Alexander Recht, 47 Jahre alt, a.recht@gmx.de. Seit vielen Jahren Beschäftigung mit ökonomischer Theorie. Von 1990 bis 2005 aktiv bei Jusos und SPD, seit 2005 bei der LINKEN Köln. Diplom-Kaufmann, Diplom-Handelslehrer und Oberstudienrat, seit fast 20 Jahren tätig als Lehrer. Aktuell Mitorganisator der AG „Innerparteiliche Schulung und Bildung“ bei der LINKEN Köln.