Der vor einem Jahr verstorbene marxistische Soziologe Erik Olin Wright stellt in seinem 2017 im Suhrkamp-Verlag erschienenen Buch Reale Utopien Wege aus dem Kapitalismus vor. Auf diesen Wegen soll ein sozialistischer Kompass hilfreich sein. Damit meint er Prinzipien, die uns sagen, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen.

Beispielhaft erörtert Wright einige reale Utopien: etwa die Sozialwirtschaft in Quebec oder den partizipativen Haushalt von Porto Alegre.

Nach Wrights Auffassung kann eine Wirtschaft um so eher als sozialistisch bezeichnet werden, je höher der Grad gesellschaftlicher Ermächtigung mit Bezug auf das Eigentum an wirtschaftlichen Ressourcen sowie sowie deren tätiger Gebrauch und Kontrolle sind.

Nach einer Einführung durch eine fünfköpfige Arbeitsgruppe wurden Wrights Gedanken gestern Abend auf einer Veranstaltung der AG “Innerparteiliche Schulung und Bildung” diskutiert. Eine Frage war etwa, ob die Mittelschicht wegen zumindest zeitweise zu erwartenden Wohlstandseinbußen beim Übergang zum Sozialismus einem Systemwechsel die Unterstützung versagen würde; eine andere, ob der Klimawandel das Ende des Neoliberalismus einläuten wird.

Da viele Fragen offen blieben, haben wir gute Gründe, die Diskussion fortzusetzen. Wer hierfür die Position Erik Olin Wrights in kondensierter Form studieren möchte, kann sich dessen Beitrag Untergraben wir den Kapitalismus! Wie die Linke utopisch und realistisch zugleich sein kann in den Blättern für deutsche und internationale Politik (Heft 10/2017) durchlesen.

Hans Günter Bell