Kreisverband Köln

Denken braucht Raum: Mieten runter, Wohnungen her!

Semesterbeginn! Im Oktober erfahren viele Studenten am eigenen Leib die brutal denkfeindlichen Seiten eines Studiums in Köln: Mietenwahnsinn, Erniedrigung, Wohnungsnot.

„Faule Studenten“

Studentinnen und Studenten haben’s leicht: Ein bisschen in die Vorlesung setzen, einen schönen Vortrag hören, dann den ganzen Tag in die Sonne setzen, Bierchen trinken, rumlabern. Wer verbreitet eigentlich solche Bilder? Studieren in Köln sieht eher so aus: Wie schaffe ich es, meinen Vollzeit-Bachelor um meine Nebenjobs zu bauen? Erhalte ich noch BaFöG, wenn ich diese Klausur verhaue? Bringen meine Nebenjobs genug Geld für mein WG-Zimmer zusammen? Bekomme ich überhaupt ein WG-Zimmer?! Eigentlich sollte man sich im Studium wissenschaftliche Fragen stellen; das wird überlagert durch eine andere Frage: die soziale Frage.

Neue Soziale Frage

Ist diese Drastik nur Jammern auf hohem Niveau? Mitnichten. Studierende trifft die allgemeine untragbare Wohnungssituation in Köln besonders hart.

Die Zahlen müssen hier nicht noch einmal ausgebreitet werden. Man kommt an dem Thema nicht vorbei, die Artikel sind Legion. Wenn Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles (SPD) sagt, dass Wohnen die neue Soziale Frage sei, dann leuchtet das intuitiv nur wenigen nicht ein.

Verschärfungen

Die Zumutungen des Wohnungsmarktes sind untragbar genug, politisch falsch sowieso. Schlimmer trifft es allerdings diejenigen, die unter Marginalisierung leiden müssen. Marginalisierung bedeutet, dass jemand systematisch ins Abseits gedrängt wird. Bewerben Sie sich einmal bei einer Wohnung mit einem Namen, der für rassistische Ohren nicht genug nach Thomas Müller klingt. Wieviele sexistische Sprüche und körperliche Anmache vom Vermieter werden täglich bei der Besichtigung ertragen, damit es bloß mit der Wohnung klappt? Und auch bei einem weißen, männlichen Student mit Einkommen ist es ja schon erniedrigend genug, wenn jener dennoch ein Motivationsschreiben und die Eltern mitbringen muss und diese bürgen sollen. Dass solche Vermieter auch noch damit werben, dass die Wohnung ja dafür günstig sei, dass es ein gutes Viertel sei, macht alles noch schlimmer.

Strukturprobleme

Das sind alles nicht einfach Vorurteile, die in einigen wirren Köpfen sitzen: Es ist ein strukturelles Problem. Und die Wohnungsnot ist kein neues Problem: Vor über 145 Jahren beschreibt der Sozialist und Rheinländer Friedrich Engels quasi unser Heute: „Was man heute unter Wohnungsnot versteht, ist die eigentümliche Verschärfung, die die schlechten Wohnungsverhältnisse der Arbeiter durch den plötzlichen Andrang der Bevölkerung nach den großen Städten erlitten haben; eine kolossale Steigerung der Mietspreise; eine noch verstärkte Zusammendrängung der Bewohner in den einzelnen Häusern, für einige die Unmöglichkeit, überhaupt ein Unterkommen zu finden. […]Das Resultat ist, daß die Arbeiter vom Mittelpunkt der Städte an den Umkreis gedrängt, daß Arbeiter- und überhaupt kleinere Wohnungen selten und teuer werden und oft gar nicht zu haben sind, denn unter diesen Verhältnissen wird die Bauindustrie, der teurere Wohnungen ein weit besseres Spekulationsfeld bieten, immer nur ausnahmsweise Arbeiterwohnungen bauen.“

 

Mieterhöhungen stoppen, Mieten senken, Wohnraum schaffen

Den einzelnen Verkehrtheiten des Tags, sagt Goethe, sollte man immer nur große weltgeschichtliche Massen entgegensetzen. Dieser Tag der Verkehrtheiten ist wohl der Tag des Semesterbeginns, und sollte es aber nicht sein. Dieser Tag soll ein Tag sein, der für Schönes steht: Beginn eines neuen Lebensabschnitts, Beginn vieler neuer Freundschaften, Beginn von einer Vermenschlichung von Menschen durch Bildung.

Und was die Goethe‘schen Massen, also die große Zahl der Bevölkerung braucht und worauf sie ein Recht hat, das ist ein bezahlbares Wohnen. Was ungerecht ist, ist mit Wohnen, also einem elementaren menschlichen Grundbedürfnis, einen Markt zu machen und eine Goldgrube auszuheben. Es liegt auf der Hand: Die Mieterinnen und Mieter müssen sich vernetzen,  ihre Erfahrungen – insbesondere ihre Erfahrungen um Kämpfe und Erfolge – austauschen, und sich zusammen Gehör verschaffen. Studierende können einen besonderen Beitrag dazu leisten: Wenn sie Spezialistinnen- und Spezialistenwissen von der Uni mitbringen, kann das bei einer Mieter*innen-Versammlung hilfreich sein. Ein erster Schritt kann sein, sich in der Uni an die Gewerkschaftliche Hochschulgruppe Köln (GHG) zu wenden.


DIE LINKE startet eine Kampagne:

Bezahlbare Miete statt fetter Rendite!

In vielen Städten explodieren die Mieten. Für viele Menschen ist Wohnen nicht mehr bezahlbar. Wer kein hohes Einkommen hat, zieht bei der Wohnungssuche den Kürzeren oder wird gezwungen, sein Zuhause zu verlassen. Bundesweit fehlen fünf Millionen Sozialwohnungen. Deshalb haben wir am 14. September 2018 eine bundesweite Mietenkampagne gegen den Mietenwahnsinn gestartet.

DIE LINKE fordert:

  1. Jedes Jahr 250.000 Sozialwohnungen mehr!
  2. Runter mit den Mieten! Mietwucher verbieten!
  3. Keine Spekulation mit Wohnraum! Immobilienkonzerne in die öffentliche Hand!
  4. Wie wir wohnen wollen?

 


Neue Wohnungsgemeinnützigkeit

Deutschland ist ein Mieterland. In den Ballungszentren gibt es 70 bis 85 Prozent Mieter. In Köln gibt es nur noch 6 % Sozialwohnungen. Dem gegenüber stehen die Hälfte der Kölner Haushalte, die einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. Der Markt wird’s schon richten? Mitnichten!

Wir brauchen eine Neue Wohnungsgemeinnützigkeit!

Andrej Holm (Video) hat ein Konzept für DIE LINKE entwickelt. Jan Kunert hat ein Konzept für DIE GRÜNEN entwickelt. Die SPD will Mieterhöhungen stoppen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist den Kampf gegen Mietenwahnsinn eingestiegen. Wir brauchen einen nachhaltigen sozialen Wohnungsbau mit Quadratmeterpreisen von 5 Euro. Sozialwohnungen müssen immer Sozialwohnungen bleiben. Bodenspekulation ist zu unterbinden. Wohnungsbau muss für Spekulanten uninteressant werden. Gewählte Mieterräte müssen bei der Planung von Bau- und Modernisierungsmaßnahmen mitbestimmen.

Eine gerechte Rheinmetropole

Niedrige Mieten sind ein wichtiger Anfang. Zu einer gerechten Rheinmetropole gehört zum Beispiel ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Fahrradinfrastruktur sowie autofreie Zonen, Milieuschutz, sozialgerechte Bodennutzung, Unterbindung von AirBnB, Enteignung von Leerständen und zweckentfremdetem Wohnraum. Es gibt einiges zu tun: DIE LINKE hat viele Vorschläge zur Verbesserung unseres städtischen Raums.

Raum zum Leben, Raum zum Denken

Die LINKE Köln arbeitet für eine solidarische Stadt. Eine Stadt ohne Sonderzonen für Reiche und Randzonen für den sich abmühenden Rest. Das studentische Leben ist oft geprägt von Stress: Lernen und Denken leidet darunter. Wir kämpfen für Raum zum Lernen und Denken: Denn wir halten Bildung für wichtig, wertvoll und ein Recht von jeder und jedem. Wohnen ist ein Menschenrecht. Gutes Wohnen für alle. Alle müssen wohnen, um ordentlich arbeiten, lernen, und für seine Liebsten da sein zu können. Wir kämpfen für Raum zum Leben.

Keine Rendite mit der Miete!

Die gesetzlichen Grundlagen für die Preistreiberei der Vermieter und insbesondere der Immobilienkonzerne müssen schnellstens gekappt werden. Wir kämpfen gegen Mietwucher, Wohnraumspekulation und gegen die Zerstörung von Wohnraum aus Profitgründen. Unser Land braucht eine ganz andere Wohnungspolitik. Wir brauchen Gesetze für die Mieterinnen und Mieter, nicht für die Immobilienindustrie. Wohnungsbau muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Deshalb fordern wir (und nicht nur wir) ein sofortiges Mieten-Moratorium. Alle Mieterhöhungen müssen sofort gestoppt werden. Die überzogenen Mieterhöhungen der letzten Jahre sind zurückzunehmen. Preistreiber wie Vonovia und Deutsche Wohnen sind zu enteignen.

Wohnen ist ein Menschenrecht

Alle Menschen müssen wohnen. Wohnen darf nicht mehr kosten als ein Drittel des Einkommens. Alles andere macht arm. Viele Mieterinnen und Mieter zahlen heute mehr als die Hälfte ihres Einkommens für’s Wohnen. Wohnen darf nicht in die Armut führen.

Eine Wende in der Wohnungspolitik wird es ohne breite Gegenbewegung nicht geben. Wir müssen zeigen wie viele wir sind. Dann schaffen wir auch Raum für ein gutes Studium.

 

 

Weiterführende Informationen zu Wohnraum, Verdrängung und Mietenwahnsinn:

https://die-linke-koeln.de/immer-mehr-wohnraum-wird-zweckentfremdet/

https://de-de.facebook.com/RechtAufStadtKoeln/

https://wohnraumfueralle.noblogs.org/

https://az-koeln.org/tag/recht-auf-stadt/