Kreisverband Köln

Vortrag zum Thema “Finanzialisierung”

Im Rahmen der Schulungsreihe “Marx in Kürze” referierte Michael Schwan, Dozent an der Universität zu Köln, am 10.12.2018 unterm Titel “Der Aufstieg des Finanzsektors” zur Politischen Ökonomie der Finanzialisierung.

Michael gliederte seinen Vortrag in vier Teile:

  1. Wie kam es zum Aufstieg des Finanzsektors? (historischer Kontext)
  2. Wie kann man ihn theoretisch fassen? (Finanzialisierung)
  3. Wie stellen sich die Auswirkungen der Finanzialisierung dar? (Empirie)
  4. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? (politische Forderungen)

Mit Blick auf den historischen Kontext des Aufstiegs des Finanzsektors verwies Michael einerseits auf eine überakkumulationsbedingte Erschlaffung der fordistischen Betriebsweise, andererseits auf politisch forcierte Deregulierungen und Liberalisierungen von Handel, Finanzwesen und Kapitalströmen.

Für die theoretische Einordnung der Tendenz zur Finanzialisierung orientierte sich Michael an einer Definition des US-Ökonomen Gerald Epstein: „Finanzialisierung ist die steigende Bedeutung von Finanzakteuren (Wer?), Finanzmotiven (Wie?) und Finanzprofiten (Wozu?) in der Funktionsweise einheimischer und internationaler Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“.

Neue Akteure wie Investmentbanken, Hedgefonds oder Privat-Equity-Fonds mit kurzfristiger Ausrichtung und erhöhter Risiko- und Spekulationsbereitschaft träten auf die Bühne. Dadurch nehme die Bedeutung der Finanzierung realer Investitionen ab, die des Finanzinvestments hingegen zu.

Deutlich werde dies am steigenden Gewicht von Aktienmarktkapitalisierung, Finanzanlagevermögen und Finanzhandelsvolumen gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt. Überdies sei ein steigender Anteil von Wertschöpfung und Profiten der Finanzbranche an den Größen der Gesamtwirtschaft zu verzeichnen.

Die Auswirkungen der Finanzialisierung wurden nacheinander durch Vortrag und Textstudium der Teilnehmenden analysiert. Die These der Texte: Finanzialisierung berühre große Teile der Gesellschaft. Sie betreffe private Haushalte mit Konsumkrediten; erfasse nichtfinanzielle Unternehmen mit Shareholder-Value-Strategie; erstrecke sich auf die öffentliche Hand, die mit Finanzmarktpraktiken Daseinsvorsorge und Sozialsysteme gefährde.

Nachdem Michael politische Vorschläge zur Einhegung der Finanzialisierungstendenz vorgestellt hatte, bestand die Möglichkeit zur Diskussion, etwa zur Frage, inwieweit die Verselbständigung des zinstragenden gegenüber dem fungierenden Kapital von Dauer sein könne. Fazit: Wir danken Michael Schwan für einen tollen und anregenden Vortrag zur Finanzialisierung, der die Teilnehmenden gut in die Thematik einführte und zur Mitarbeit einlud.

Auch im kommenden Jahr 2019 wird die AG „Innerparteiliche Schulung und Bildung“ Schulungsveranstaltungen zu wichtigen und grundlegenden gesellschaftlichen Debatten durchführen und hierfür auch das Format der Reihe “Marx in Kürze” fortsetzen. Obendrein wird die AG innerparteiliche Schulungsveranstaltungen zu Themen ausrichten, mit denen unsere Partei aktuell befasst ist. Mehr Infos gibt es ab Januar auf der Seite der “AG Innerparteiliche Schulung und Bildung”.