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Kreisverband Köln

Weihnachtsgeld für alle: „Morgen, Kinder, wird’s was geben!“

Vom 13. und 14. Gehalt. Seltener als der Schnee in dieser Weihnachtszeit: Das Weihnachtsgeld. Die LINKE.Köln sagt: Weihnachtsgeld ist gerecht! Weihnachtsgeld für alle! 

Oh Tannenbaum!

Das Jahresende nähert sich, die Weihnachtsmärkte sind eröffnet, der Lebkuchen steht im Regal, die Geschenke müssen verpackt werden, der Tannenbaum ist geschmückt und die Kirchen freuen sich über Besuche. Wer an Weihnachten denkt, denkt in der Regel an Wärme und Gemütlichkeit, Plätzchen und gutes Essen, Geschenke und Weihnachtsmarktbesuche, Freunde und Familie. Armut, Obdachlosigkeit in Köln, Arbeitslosigkeit sind verständlicherweise nichts, was man mit dieser eigentlich schönen Zeit verbinden möchte: Diese Dinge greifen die christliche Besinnung, das soziale Gerechtigkeitsverständnis und sittliche Selbstverständnis an. Dazu kommt, dass die benannten Übelstände das, was an Weihnachten schön ist, für die Betroffenen verunmöglichen. Weihnachtsgeld ist dagegen ein Akt des Teilens, der Weihnachten zum Fest machen kann.

Was ist Weihnachtsgeld, und wer bekommt es?

Weihnachtsgeld ist eine Sonderzahlung zum Jahresende, die oft als ein zusätzlicher voller oder auch anteiliger Monatslohn ausgezahlt wird. Daher wird es das 13. Gehalt genannt. Mancherorten wird sogar ein 14. Gehalt gezahlt, das dann im Sommer als Urlaubsgeld auf dem Konto landet.

Leider gibt es keinen rechtlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Lediglich wer dort arbeitet, wo ein von den Gewerkschaften erkämpfter Tarifvertrag ein 13. Gehalt beinhaltet, kann sich sicher sein, zum Jahresende mehr Geld zur Verfügung zu haben. Die zuständige DGB-Gewerkschaft ist hierbei die Ansprechpartnerin.

In Deutschland erhalten etwa 55% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld, und zwar deutlich öfter diejenigen in tarifgebundenen Betrieben: Deshalb ist etwa in Ostdeutschland seltener das Zusatzgeld in den Geldbörsen zu finden. Im Schnitt gehen Frauen, befristet Beschäftigte, Teilzeitbeschäftigte beim Weihnachtsgeld öfter leer aus. Auch Beschäftigte, die zur Winterzeit aus ihrem Job geworfen werden oder in Scheinselbstständigkeit arbeiten, müssen ihren Glühweinstandbesuch anderweitig finanzieren. (Zwar bedeutet das Weihnachtsgeschäft immer auch, dass etwa Verkäufer oder Aufbauhelferinnen benötigt werden: Dies sind aber weder unbefristete, also langfristig planbare Arbeitsverhältnisse, noch besonders gut vergütet.) Und um seinen Enkeln Geschenke zu kaufen, muss man auf die reguläre Rente zugreifen.

Wofür Weihnachtsgeld? – Konsum?!

Das soziale Beisammensein auf den Weihnachtsmärkten ist eine gute Gelegenheit, ein wenig der Durchtaktung des Alltags zu entkommen und ein wenig Mußezeit mit Freundinnen und Freunden oder der Familie zu genießen. Bei lieblichen Düften kann man Schönes für seine Liebsten einkaufen, denen man gerne eine Freude machen will. Die ein oder andere spendet vielleicht etwas von ihrem Geld, weil sie möchte, dass es überall auf der Welt freier vom Überlebensdruck wird.

„Gerade in der Weihnachtszeit gilt es ein politisches Zeichen für den sozialen Zusammenhalt zu setzen und allen Menschen ein schönes Fest zu ermöglichen.“ (Katja Kipping)

DIE LINKE spricht so konsumistische Töne? – wird da vielleicht gefragt werden. Und wir halten dagegen: Es ist nicht einfach die schlichte Tatsache, dass wir einkaufen und auch natürlich an Weihnachten einkaufen: An Weihnachten beschenken wir unsere Liebsten, essen zusammen mit ihnen etwas Besonderes, verbringen vergnügliche Stunden zwischen Wärmepilz und Schneetreiben und dem Glühwein in der Hand. Gerade in der Weihnachtszeit ist die soziale, man könnte etwas klassisch „sittliche“, Komponente des Konsums nicht zu unterschätzen. Wir sagen: Ein schönes Fest für alle macht das ganze Land besonnener und sozialer.

Und wer noch ein weiteres Argument braucht: Weihnachtsgeld zu fordern ist auch eine vernünftige Lohnpolitik.

Unternehmen in die soziale Pflicht

Bei Lohnerhöhungen, oder etwa Untergrenzen wie dem Mindestlohn, wird gerne von Arbeitgeberseite der Untergang der Zivilisation beschworen: Alle Unternehmen gingen pleite, und das Elend wäre total – Wobei sich dann die Frage stellt, wofür Unternehmensleitung und Management überhaupt bereitstehen und bezahlt werden, wenn sie es nicht schaffen, Betriebe so zu lenken, dass die dort angestellten Erwerbstätigen einen gerechten Lohn erhalten? Viktor Agartz, einer der frühen Denker des DGB, schrieb: „Die Lohnpolitik darf nicht allein dynamisch, sie muss auch expansiv sein. Sie darf sich nicht damit begnügen, den Reallohn an die volkswirtschaftliche Entwicklung nachträglich heranzubringen. Sie muss versuchen, die wirtschaftliche Expansion von sich aus zu forcieren, um durch bewusste Kaufkraftsteigerung eine Ausweitung der Produktion herauszufordern. […] Eine expansive Lohnpolitik ist zugleich das wirksamste Mittel, die Betriebe laufend zu höherer Rationalität anzuhalten, die Produktivität zu steigern und damit die Lohnexpansion zu fundamentieren.“ („Wirtschaftsdemokratie und expansive Lohnpolitik. Zur Aktualität von Viktor Agartz“, Reinhard Binspick / Thorsten Schulten / Peeter Raane (Hrsg.), VSA Verlag Hamburg, 2008)

Für eine Moral, die immer dann auf die Tränendrüse drückt, wenn Unternehmen ihre Bücher herausholen und die Unmöglichkeit anständiger Löhne, die für ein schönes Weihnachten reichen, „beweisen“, hatte Agartz nur Spott übrig: „Man soll ökonomische Tatbestände nicht moralisieren, wenn in anderer Beziehung und bei rückläufiger Konjunktur gegebenenfalls zahlreiche Belegschaftsmitglieder durch Künding ihr Arbeitseinkommen verlieren.“ Auch Unternehmen sind in die soziale Pflicht zu nehmen. Zum Beispiel eben, indem sie Weihnachtsgeld auszahlen.

Weihnachtsgeld für alle!

Weihnachtsgeld für alle ist gerecht. DIE LINKE kämpft dafür, dass Menschen ein Weihnachts- und ein Urlaubsgeld, also ein 13. und ein 14. Gehalt erhalten. Dies ist eine wirtschaftlich und sozial vernünftige Forderung. Sicher löst ein Weihnachtsgeld, wie jede Lohnerhöhung, nicht einfach alle Probleme, die sich im Land ergeben. Aber in einem großen Projekt des ökologischen, demokratischen und sozialen Umbaus hat es seinen Platz. Auf dass wir morgen alle ein dreizehntes und vierzehntes Mal für unsere Arbeit entlohnt werden, dann singen wir auch: „Morgen werden wir uns freu’n!