Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
liebe Frau Reker,

Köln befindet sich gerade im Ausnahmezustand – unser aller Leben wird momentan von der Verbreitung des Corona-Virus COVID-19 und den direkten und noch gar nicht absehbaren Folgen überschattet.
Dies ist eine große Prüfung für unsere Gesellschaft. Zeitgleich haben wir die Chance, zu zeigen, dass wir nicht nur von Solidarität reden, sondern sie auch leben.
Ich freue mich, dass Sie maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Stadt Köln zu den „Städten Sicherer Hafen" zählt. Ebenso begrüße ich die Entscheidung des Rates der Stadt Köln, 100 zusätzliche Geflüchtete sowie
16 minderjährige unbegleitete Geflüchtete aus den Lagern in Griechenland aufzunehmen.
Aber das reicht nicht! In den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln leben aktuell 42.000 Geflüchtete, die neben den ohnehin schon erbärmlichen und entwürdigenden Umständen nun auch durch die Pandemie bedroht sind. In dieser Situation – bar jeglicher hygienischer und medizinischer Versorgung – wäre die Ausbreitung des Corona-Virus eine unvorstellbare Katastrophe! Ärzte ohne Grenzen hat dringlich davor gewarnt, dass ein Corona-Ausbruch in einem Lager auf den griechischen Inseln nicht einzudämmen wäre und fordert eine sofortige Evakuierung der geflüchteten Menschen.
Wir alle wissen inzwischen aus eigener Erfahrung, wie schnell und unbürokratisch Maßnahmen umgesetzt werden können, wenn sie als Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus angesehen werden.
Liebe Frau Reker, ich bitte Sie daher inständig, dass Sie sich dafür einsetzen, dass diese Maßnahmen nicht bei Geflüchteten enden. Köln hat viele Signale gesendet, dass wir eine solidarische Stadt sind, die Geflüchtete willkommen heißt. Bitte bleiben Sie dabei und erklären Sie öffentlich, dass Sie für die Evakuierung der Lager auf den griechischen Inseln sind und Köln bereit ist, weitere Geflüchtete aufzunehmen!
Vielleicht erscheint eine solche Positionierung in der aktuellen Situation unmöglich, aber wir haben in den letzten Tagen gesehen, was auf einmal alles möglich ist. Ich bin überzeugt: Sie werden sehr viele Menschen in Köln hinter sich haben – trotz und wegen Corona!

Mit freundlichen Grüßen und auf Ihr Engagement hoffend,
Die LINKE.Köln