Kreisverband Köln

Hambacher Forst: Abholzen für Braunkohle

Die Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst nehmen von Jahr zu Jahr an Heftigkeit zu. Denn das Energieversorgungsunternehmen RWE möchte das Waldstück roden, um die darunter liegenden Millionen Tonnen Braunkohle abzubauen. Die Umweltverbände und die Anti-Kohlekraft-Bewegung wollen hingegen den ältesten Wald des Rheinlands als einmaliges Ökosystem schützen. Die Vernichtung dieses mittlerweile nur noch kleinen Stücks Natur zugunsten der Kohlegewinnung wird somit zum Prüfstein für eine Umweltpolitik, die breite Zustimmung findet, aber nicht gradlinig umgesetzt wird.

 

Was ist der Hambacher Forst?

Rheinisches Braunkohlerevier erstellt von Thomas Römer/OpenStreetMap data CC BY-SA 2.0

Der Hambacher Forst liegt etwa 30 Kilometer westlich von Köln. In ihm stehen 300 Jahre alte Stieleichen und Hainbuchen. Er bietet über 142 Arten einen Lebensraum, darunter ein Duzend streng zu schützende. Dennoch verkauften 1978 die umliegenden Gemeinden das Gebiet an die RWE, damals noch Rheinbraun AG, und erhielten sehr hohe Entschädigungen. Noch im gleichen Jahr begann die Förderung der Braunkohle im Tagebau Hambach. Seitdem fielen den Baggern mehr als 4.000 Hektar Wald zum Opfer. Heute sind noch gut 600 Hektar übriggeblieben.

 

Auseinandersetzungen vor Gericht

Zerstörte Natur im Tagebau Hambach (Foto: Gernot Schubert)

Der Kampf der vielen Menschen, die sich gegen die Vernichtung der Natur durch den Abbau der Braunkohle wehren, hat vielfältige Formen angenommen. Auf juristischem Weg konnte der Bund für Natur und Umweltschutz (BUND) die Rodungsarbeiten, die nur von Oktober bis März durchgeführt werden dürfen, für die Saison 2017/18 stoppen. Die rechtzeitige Einreichung einer Klage durch den BUND zur neuerlichen Überprüfung der naturschutzrechtlichen Bedeutung des Hambacher Forsts beim Oberverwaltungsgericht Münster hatte vorerst aufschiebende Wirkung. Allerdings hat die RWE ein Gegengutachten erstellen lassen, das erwartungsgemäß die Schutzwürdigkeit in Abrede stellt.

 

Auseinandersetzungen im Forst

Baumbesetzungen im Hambacher Forst (Foto: Gernot Schubert)

Des Weiteren fanden mehrere Demonstrationen mit tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt, um den Druck auf die RWE und die politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Es gibt Waldführungen, Wanderungen, Baggerblockaden, Klimacamps und Fahrrad-Sternfahrten zum und durch den bedrohten Wald. Seit 2012 wohnen Menschen in Baumhäusern im Forst. Schon nach einem Jahr begann die RWE, die Umweltaktivistinnen und -aktivisten in ihrer Nachbarschaftszeitung als Steine werfende Vermummte schlecht zu machen, obwohl die Staatsanwaltschaft zu dieser Zeit keinerlei Straftaten feststellte. In den vergangenen vier Jahren steigerte sich die Gewalt zwischen RWE-Personal und Polizei auf der einen und Waldbesetzerinnen und Waldbesetzern auf der anderen Seite. Die regelmäßigen Auseinandersetzungen mündeten in der Festnahme zahlreicher Aktivistinnen und Aktivisten.

 

Minderwertige Kohle und dennoch Unternehmensgewinne

Diese Vielfalt der Protestformen geht in ihrer Kritik über das Waldstück hinaus, weil für viele Menschen das Ringen um dessen Erhalt mit dem Kampf gegen eine verfehlte Energiepolitik gleichzusetzen ist. Der Abbau von Braunkohle als einem der minderwertigsten fossilen Brennstoffe verdeutlicht, wie rücksichtslos Konzerne unsere Lebensbedingungen zerstören. Der Heizwert von Braunkohle liegt etwa bei einem Fünftel im Vergleich zu Erdgas. Dafür entsteht bei der Braunkohleverstromung etwa dreimal so viel Kohlendioxid (CO2). Doch trotz dieser Nachteile und dem erhöhten Aufwand für die Abgasreinigung werden der Braunkohleabbau und deren Verfeuerung unter anderem durch die Freistellung von der Förderabgabe für Bodenschätze durch die Länder rentabel. Hinzu kommt der Gewinn durch die buchhalterisch längst abgeschriebenen Kraftwerke.

 

Forderung DER LINKEN. Köln

Kohleverstromung stoppen! Dezentrale Energiewende jetzt! (Foto: Gernot Schubert)

Um zusätzlich Transportkosten zu sparen, wird Braunkohle möglichst direkt am Abbauort zur Energiegewinnung genutzt. Deshalb betreibt auch die RheinEnergie das Heizkraftwerk Merkenich mit veredelter, das heißt gereinigter und getrockneter, Braunkohle aus dem rheinischen Revier. DIE LINKE. Köln fordert daher den sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleverbrennung im Heizkraftwerk Merkenich. Dies ist technisch möglich, weil auf eine Befeuerung mit Gas umgestellt werden kann. Doch ergibt sich durch das teurere Gas ein Gewinnausfall in Millionenhöhe. Diesen stellen der Betreiber und damit letztlich die Stadt Köln über die möglichen Gesundheitsrisiken für die Einwohnerinnen und Einwohner, das Abholzen des Hambacher Forsts und den Beitrag zu den globalen Klimaschäden.

 

 

Kontakte und weitere Informationen:

Arbeitskreis Umwelt DIE LINKE. Köln

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