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Kreisverband Köln

“Marx in Kürze”: Einführung in die Marxsche und marxistische Klassentheorie

Am Donnerstag, 14.06.2018, fand die zweite Veranstaltung der Schulungsreihe “Marx in Kürze” statt. Auf der ersten Veranstaltung hatte Jürgen Seitz die Marxsche Deutung der Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen vorgestellt, diesmal führte Hans Günter Bell, Sprecher der LINKEN Köln und Sozialwissenschaftler, in die Marxsche und marxistische Klassentheorie ein.

Zu Beginn seiner Ausführungen präsentierte Hans Günter das von Marx stammende allgemeine klassentheoretische Modell: das Verhältnis von Kapital und Arbeit als Fundament der Klassenbeziehungen im kapitalistischen Produktionsprozess. Zudem stellte er konkrete klassentheoretische Beschreibungen historischer Gesellschaften durch Marx vor, z. B. dessen Ausführungen zu den Parzellenbauern im Frankreich des Jahres 1851.

Im Anschluss widmete sich Hans Günter zwei marxistischen Klassentheoretikern des 20. und 21. Jahrhunderts: Edward P. Thompson und Erik Olin Wright. Die Kernthese des britischen Historikers Thompson: Menschen würden nicht allein schon deswegen, weil es theoretisch möglich sei, praktisch als Klasse existieren und dann Klassenkämpfe führen. Umgekehrt: Menschen würden in durch Ausbeutung geprägten Verhältnissen leben, in ihnen Kämpfe führen und sich erst infolgedessen mit Menschen gleicher Erfahrung als Klasse erkennen.

Der US-Soziologe Wright möchte dem Zusammenhang von Klassenstrukturen und Klassenbewusstsein auf die Spur kommen. Er setzt am durch Marx beschriebenen Gegensatz von Eigentum und Nichteigentum an Produktionsmitteln an und ergänzt dieses Klassenstukturmodell um den Grad an Qualifikation und den Umfang an Weisungsbefugnis von Personen innerhalb von Unternehmen. Wrights Befund: Auch heute noch entstehe Klassenbewusstsein als Folge der Stellung von Personen innerhalb der Klassenstruktur, jedoch von Land zu Land in verschiedener Weise.

Hans Günter schloss mit der These, dass marxistische Klassenmodelle auch heute noch in der Lage seien, bestehende Ungleichheiten in Gesellschaften zu erfassen. Klassenverhältnisse seien zwar keineswegs der einzige, wohl aber ein primärer und wesentlicher Erklärungsgrund für die Sozialstruktur und die Entwicklungsdynamik von Gesellschaften.

Der Abend bot den Teilnehmenden einen interessanten Wechsel von Vortrag, Textarbeit, Diskussion und Einbringung eigener Erfahrungen. Hans Günter führte unterhaltsam und informativ in ein spannendes und nach wie vor wichtiges Thema ein.

Im Juli wird die Schulungsreihe mit Veranstaltung Nr. 3 fortgesetzt, einer Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie.

Kritik der politischen Ökonomie

Referent: Alexander Recht, Dipl.-Kaufmann

Donnerstag, 12. Juli 2018, 19:00-22:00 Uhr
Wahlkreisbüro von Matthias W. Birkwald (MdB für DIE LINKE)
Severinswall 37, 50678 Köln (Nähe Chlodwigplatz)

Karl Marx hat in seiner Kritik der politischen Ökonomie drei wichtige Fragen gestellt: 1) Welche Voraussetzungen hat die kapitalistische Warenproduktion? 2) Wer produziert die Waren im Kapitalismus? 3) Wie wird der kapitalistische Warenreichtum verteilt?

Zu Beginn des Abends werden wir uns mit dem Beginn des Kapitalismus befassen: mit der sogenannten ursprünglichen Akkumulation. Später werden wir die Akkumulation durch Mehrwertproduktion kennenlernen.

Textarbeit und Vortrag werden sich abwechseln. Außerdem wird die Wertrechnung in Grundzügen erläutert werden.

Alexander Recht, 47 Jahre alt. Seit vielen Jahren Beschäftigung mit ökonomischer Theorie. Von 1990 bis 2005 aktiv bei Jusos und SPD, seit 2005 bei der LINKEN Köln. Diplom-Kaufmann, Diplom-Handelslehrer und Oberstudienrat, seit fast 20 Jahren tätig als Lehrer. Aktuell Leiter der AG „Innerparteiliche Schulung und Bildung“ bei der LINKEN Köln.