Ökologie und Umweltschutzpolitik wird nicht richtig verstanden. Vielerorts wird Ökologie für ein Hippiethema gehalten. Die LINKE Köln erklärt Umwelt als Soziale Frage.

Ökologie und Umweltschutzpolitik wird nicht richtig verstanden. Vielerorts wird Ökologie entweder für ein Hippiethema, ein Hobby für Bioladen-Akademiker oder bestenfalls noch protestierende Schüler*innen, die noch Bioladen-Akademiker*innen werden wollen, verstanden.

Die Verwirrung verwundert nicht: Wer von Natur und Umwelt redet, meint oft ganz andere Dinge. Es wird viel assoziiert und nie definiert, nie entwickelt. Was meinen wir mit Natur hier, was ist Umwelt? Was muss Ökologie und Umweltschutzpolitik heißen?

Soziale Frage UmweltUmweltpolitik basiert auf den wissenschaftlich-erforschbaren und bereits erforschten Gesetzen des Lebens. Nach diesen Ergebnissen soll dann eine Gesellschaft fundiert eingerichtet werden, und zwar nicht nur für die Menschen, die heute leben, sondern auch die nachfolgenden Generationen. Unser Ökosystem, die Erde, ist ein Ganzes, ein Zusammenhängendes. Und wir alle leben darin: Selbst, wenn wir in Städten aus Glas und Stahl, selbst wenn wir hauptsächlich „im Internet“ leben. Ja, auch das komplette Internet hat seinen Sitz in der Biosphäre. Die chemischen und biologischen Abläufe auf unserem Planeten sind die natürliche Grundlage für menschliche Aktivität, in all ihren erneuerbaren und in ihren erschöpflichen Gütern.

„Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“ (Karl Marx)

Schon eine vortheoretische Einsicht in alle allgemein bekannten ökologischen Probleme zeigt, dass die Probleme der Ökologie nicht isoliert betrachtet werden können. Man muss zwangsweise den Zusammenhang beachten: Den Zusammenhang mit anderen Systemen: wie etwa der Wirtschaftsweise, dem traditionellen Umgang mit Natur, der Denkweisen, der Politik.

Die ökologische Frage ist eine soziale Frage. Das ergibt sich aus grundlegenden Tatsachen. Wir entwickeln ein wenig:

Der Mensch ist ein Naturwesen

Menschen sind ein Teil der Natur, gleichzeitig stehen wir durch unser menschliches Verhältnis zur Natur in einer Sonderrolle: Wir schmiegen uns an den von uns durch Wissenschaft verstandenen Lauf der Naturkräfte an, um sie so wirken zu lassen, dass wir ein schönes Leben haben. Wir vermenschlichen die Natur in gewisser Weise, so wie wir uns, je mehr wir die Naturkräfte für uns wirken lassen, selbst „naturalisieren“. Unser Stoffwechsel mit der Natur wird melodisch: Trotz mancher Dissonanzen kommt doch ein Zusammenklang heraus. Zivilisationen bauen sich auf ihren natürlichen Umwelten auf, und zerfallen, wenn ihre Umwelt zerfällt. Die natürliche Umwelt ist die Grundlage für das menschliche Überleben und für die Entwicklung der Menschheit.

Denn Menschen produzieren, leben und entwickeln sich in ihrem Umgang mit der Natur, auch der Natur innerhalb von Menschen. Lenken wir die Natur nach ihren Gesetzen zu unseren Gunsten, können wir ein gutes Leben, eine schöne Entwicklung erwarten. Kurzsichtigkeit, Überanstrengung, Unkenntnis der natureigenen Gesetzlichkeit aber bewirken, dass wir Wüsten hinterlassen, in denen wir nicht leben können. Als Menschheit haben wir eine gemeinsame Zukunft, und das Aufrechterhalten einer bewohnbaren planetaren Natur ist eine internationale Aufgabe und Pflicht.

Der menschliche Einfluss verändert die Erde

Die verschiedenen Bio-Regionen sind nicht da durch „Natur“, sondern gemacht durch viele sich schneidende Prozesse. Prozesse in allen zeitlichen und örtlich-ausgedehnten Größen. Physikalische, chemische, biologische Prozesse. Und durch die menschliche Arbeit erhält die Erde eine neue Hülle, die soziale Sphäre, welche in wachsendem Maße Naturzusammenhänge in von Menschen gestalteter Form in sich integriert und sein allgemeines Wirkungsfeld ist. Die Menschheit und die restliche Natur formen eine biotische Gemeinschaft: Wenn wir der Natur schaden, schaden wir uns selbst in unserer Freiheit, auch in der Freiheit, die wir von den unliebsamen Natureffekten als ganz ungebunden von Natur wahrnehmen wie unser Leben in unseren Häuser, mit unserem Strom, usw.

Auf unserem Planeten müssen wir mit den anderen Arten, die uns unsere Lebenswelt aufrechterhalten leben, ein Miteinanderleben ausmachen. Ohne die Bienen sterben die Pflanzen. Ohne die Pflanzen fehlt uns die Nahrung. Ohne Korallen verdirbt unsere Luft. Aber auch im ganz Alltäglichen: Ohne unsere Haustiere fehlt uns etwas. Sie sind unsere Gefährtenspezies. Wir sind zwar auf eine gewisse Weise „alle miteinander verbunden“, aber es gibt hier natürlich Nähenunterschiede. Alles ist verbunden mit etwas Anderem, welches mit etwas wieder Anderem verbunden ist. Unsere nächsten Verbindungen und Verhältnisse sind uns sicher jeweils die wichtigsten: Das macht es manchmal schwer, die ökologischen Probleme als Ganze in den Fokus zu bekommen. Aber wir merken immer häufiger die Wirkungen des Klimawandels auch zuhause.

Die Schönheit des Vogelzwitscherns

Draußen im Park, bei schöner Sonne, im aufblühenden Grün fühlen wir uns wohl. In Wäldern merken wir richtig, wie wir erfrischt werden. Wir alle haben das Bedürfnis nach Schutz vor Katastrophen und auf eine schöne Umwelt, in der sich angenehm und glücklich leben lässt. Dieses Bedürfnis ist elementar und wichtig. Die LINKE Köln will dieses Bedürfnis verteidigen! Es kann durchaus zu Widersprüchen kommen zwischen dem Bedürfnis der Menschen nach besseren Produkten, wirtschaftlicher Entwicklung auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach einer schönen Umwelt. In diesem Prozess muss eine Priorität gesetzt werden auf Erhalt und Renaturalisierung der Natur: ansonsten entziehen wir uns die Grundlage der ganzen Entwicklung und damit unserer zukünftigen Selbstbestimmung. Konservative, rechte Politiker betonen die wirtschaftliche Entwicklung, meinen damit aber nie eine Wirtschaft für alle Menschen, sondern den kurzfristigen privaten Profit von Großunternehmern. Großunternehmer dürfen für ihren Profit die Wälder abholzen, ungeachtet der Folgen für die Bevölkerung. Denn es wird damit nicht das Land, oder die Gesellschaft zugunsten der Bevölkerung entwickelt, sondern ein Konzern wird reicher gemacht. Großunternehmer werden nicht systematisch gezwungen zur Renaturalisierung: Ohne Aufforstung haben wir bald keine Wälder mehr. Es ist unabdingbar, dass das allgemeine Bedürfnis nach blauem Himmel, sauberer Luft, erfrischendem Aufblühen und Gezwitscher ernstgenommen und durchgesetzt wird. Menschen haben das Recht darauf, in einer schönen Umgebung wohnen zu dürfen, und auch in Köln muss das Öffnen eines Fensters gute Luft und Vogelgesang, statt Autolärm und Smog bedeuten. Kein Wohlstand wirkt sich so allgemein wohltuend aus, wie eine schöne Umwelt, die allen zugänglich ist.

Die umweltzerstörende Wirtschaftsweise ist ineffizient und macht arm

Soziale Frage UmweltDie Natur ist die Quelle aller materiellen Güter. Gemeinsam mit unserer Arbeit erstellen wir daraus die Reichtümer auf der ganzen Erde. Die Natur bildet also für den Erhalt unserer Lebensgrundlage – die Grundlage. Der Erhalt der Natur und damit der Bedingungen für unser Leben ist also im Kern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Denn mit der Zerstörung der Natur wird weiten Teilen der Menschen ihre Lebensgrundlage entzogen. Unsere Antwort lautet: Nachhaltigkeit, das ist Zukunftsfähigkeit. Nun haben wir aber ein Wirtschaftssystem, dass naturschädlich ist. Dieses System ist der Kapitalismus. Was ist der Motor des Kapitalismus? Profit. Profitmachen heißt: Die Kräfte der Natur aussaugen, ohne sie zu bezahlen. Profit wird dadurch gemacht, dass die großen Unternehmer die Arbeitsbedingungen für alle Menschen diktieren. Die Menschen, die kein Firmeneigentum besitzen, sondern nur ihre Arbeitskraft verkaufen können, tun dies. Die Arbeitskraft stellt aber immer mehr Werte her, als sie selbst kostet: Ein Brötchen backen gibt nicht genug Lohn zurück, um ein Brötchen zu kaufen. Die Natur dagegen wird von Unternehmern gar nicht bezahlt oder wieder in ihren Ursprungszustand zurückgestellt, wie etwa durch Aufforstung. Für einen Unternehmer ist die Aufforstung eines Waldes unnütz: Fällen kann man die Bäume oft erst, wenn der jeweilige Unternehmer bereits gestorben ist, für seinen Profit ist es also egal. Lithium oder Kobalt, einmal abgebaut und in einem vermeintlich “grünen” Automobil eingesetzt, kann nicht wieder wachsen gelassen werden. Diese Unternehmen verfeuern die Rohstoffe des ganzen Planeten, und entziehen uns der Grundlage für einen rationalen, geplanten Umgang. Man kann nun durch endlose Kämpfe um Ökosteuern die Profitmarge in der Nutzung der Natur so verringern, dass der Kapitalismus „grün“ gehalten wird. Das heißt aber, dass wir beständig auf die Straße und in den Streik gehen müssen, um Naturzerstörung unprofitabel zu machen. Wir empfehlen es nicht und wünschen es nicht für Deutschland: in manchen Teilen der Welt, etwa im Amazonas-Regenwald, ist die indigene ökologische Bewegung schon gezwungen, sich bewaffnet zu wehren gegen die Zerstörung ihrer Wälder, Verwüstung ihres Landes und vor profitorientierten Enclosures. Dann nehmen wir doch lieber die Profitlogik aus der Produktion heraus.

Kriegswirtschaft bedeutet Verwüstung

Und es geht um Profitlogik: Verwüstende Kriege um Öl, um Land, um Handelswege und Absatzmärkte – dies alles geschieht, um Profit daraus zu ziehen. Zuungunsten der Menschen und zuungunsten der Natur. Die US-Armee etwa ist der weltweit größte, einzelne Umweltschädling. Die NATO ist eine Umweltvernichtungswaffe. Atom- und Kohlekraftwerke, Gasfracking – Konzerne dieser dreckigen Energien werden nicht aus Unkenntnis der Schäden oder Phantasielosigkeit von der konservativen Politik bedient und hofiert, sondern weil ihre Profite am größten sind. Auch weil beispielsweise die Kosten des Atommülls auf uns alle abgewälzt, während die Profite privat eingestrichen werden. Die planetaren Ressourcen werden nicht ausgeplündert, weil falsch bewirtschaftet wird oder eine Überbevölkerung besteht: Die Plünderung geschieht, weil es profitabel ist. Die westlichen Länder sind wesentlich schmutziger als die südlichen und östlichen Länder: aber sie missbrauchen den Globalen Süden als Müllkippe und Werkbank. Und innerhalb der westlichen Länder sind die Reichen wesentlich schmutziger als die Armen. Die Reichsten, das sind die Eigentümer*innen der größten Konzerne und Banken, haben statistisch gesehen, den allergrößten ökologischen Fußabdruck: Die reichsten 10% der Menschen auf der Welt verursachen 50% des CO2-Ausstoßes: 11 mal höher jeweils als die ärmsten 50%. Das reichste 1% verbraucht im Schnitt 175mal mehr als die ärmsten 10%. Und die Folgen der Umweltzerstörung werden nicht von den Reichsten getragen. Ohne eine Demokratisierung der wirtschaftlichen Macht, eine Regulierung von Märkten und ein Herausnehmen der privaten Profitlogik aus entscheidenden Bereichen der Wirtschaft wird die Klimakatastrophe nicht verhindert werden und es wird der Großteil der Menschheit leiden. Und das nur, damit einige Konzerneigentümer weiterhin ihre Profite einstreichen können. Mit dem Schutz der Umwelt schützen wir auch unsere Kräfte, ein schönes und gutes Leben für die Menschheit zu bauen. Wir schützen die Kräfte der Natur, die uns bei nachhaltiger Wirtschaft beständig fruchtbares Land, erholsame Wälder, reiche Biodiversität und sauberes Wasser produziert. Wir wissen, dass es planetare Grenzen gibt.

Soziale Frage Umwelt

Urheber: Felix Jörg Müller, wikipedia.

Es gibt Planetare Grenzen. Die Planetaren Grenzen sind: Klimawandel, Ozeanversauerung, Ozonverteilung am Himmel, der Stickstoffkreislauf, der Phosphorkreislauf, die globale Frischwasserbenutzung, die Landnutzung, das Artensterben, die Aerosolfüllung der Atmosphäre, und die chemische Verschmutzung.

Wir können uns diese Planetaren Grenzen vorstellen als das Spielfeld, innerhalb dessen wir uns bewegen müssen, damit die biologisch erforschten Kreisläufe des Planeten derart stabil bleiben, dass wir als Menschen weiterhin auf dem Planeten leben können. Sicher: Auch ohne uns wird der Planet weiterexistieren und eine Natur haben. Aber das ist menschenfeindlicher Unsinn, der aus Verzweiflung in manchen rechten Köpfen reift, die anscheinend keine Absprachen mit ihren Mitmenschen treffen können. In der Regel kommen die Aussprechenden aus den Industrieländern, gehören zu privilegierten Schichten und problematisieren nicht sich selbst und ihren verschwenderischen Luxus, sondern die Anderen: die Armen und Verdammten der Welt, die einen klaren Blick auf die Privilegien haben: Ungerechtigkeit.

Halten wir diese Grenzen nicht ein, berauben wir uns unserer Möglichkeit, in Freiheit unser Leben zu gestalten. Die Möglichkeit, Profit zu machen, ist kein Kompass, um diese Grenzen einzuhalten. Nur demokratische Kontrolle, Gestaltung und Planung kann das.

Es gibt keine Ersatz-Erde

Soziale Frage UmweltHalten wir die planetaren Grenzen nicht ein, kommt es zu Katastrophen, und zwar auf dem ganzen Globus. Es gibt eine billige Ausrede: Da die planetaren Grenzen nur gemeinsam und international eingehalten werden können, kann Deutschland nicht viel helfen. Nun ist Deutschland allerdings besonders einflußreich international und ein großer CO2-Produzent. In den letzten 200 Jahren haben sich nicht mehr als 30 Länder industrialisiert. Den anderen Ländern ist dieser Weg abgeschnitten, denn er wurde auf ihre Kosten und auf Kosten der globalen Natur beschritten. Wir sehen, Klimagerechtigkeit ist auch eine antikoloniale Frage. Diese 30 industrialisierten Länder haben zusammen weniger als eine Milliarde Einwohner*innen. Diese Milliarde steht heute mehr denn je in einer Pflicht, mit den restlichen knapp sieben Milliarden einen gemeinsamen Weg des schönen, gerechten, guten und menschenwürdigen Lebens zu finden. Deutschland hat also die besondere Pflicht, voranzugehen. Aber nicht nur ist der Schaden, von Deutschland, seiner Exportindustrie, die mit Waffen, Autos und Fleisch die Länder überrollt, ausgehend, in der Welt groß: Auch die lokalen Umweltprobleme sind zu einem großen Teil Ergebnisse der schädlichen Klimapolitik. Deutschland war nie eine soziale Marktwirtschaft. Die lokale Schadstoffausstoßung sorgt nicht nur am anderen Ende der Erde für Belastung, sondern bereits, wenn wir aus der Tür gehen: Schmutzige Luft, Lärm, Artensterben, Feinstaub, Smog. Reichen wir also auch anderen Ländern die Hand! Zum Beispiel Rojava.

Ökologische Demokratie gegen Klimasünderprofite

Der Kampf um Klimagerechtigkeit ist ein Kampf von Klassen. Die Reichen, die Konzernbesitzer*innen, verschwenden den Planeten, und wir erleiden die Folgen. Was ist das Laufenlassen des Lichtes in der Küche gegen die profitgetriebene Automobilproduktion? Was ist die warme Dusche gegen die Bundeswehr am Hindukusch? Nichtreiche Bevölkerungsgruppen leiden überproportional stark unter den Folgen der Umweltverschmutzung: vor unseren Fenstern ist es laut, schmutzig, zu heiß, trocken. Wir können uns in unseren Wohnungen vor der Witterung nicht genug schützen und auf unserer Arbeit werden wir gesundheitsschädigenden Bedingungen ausgesetzt. In den Vierteln, die zu wenig Grünstreifen haben, heizt die Straße und der Block auf.

Und wir könnten, wenn uns die Busse und Züge nicht gestrichen würden, viel weniger individuelle Ressourcen verbrauchen und weniger Autolärm produzieren. Unsere zu teuren Wohnungen können von uns nicht saniert werden, sind zu dunkel und verlieren im Winter zu viel Wärme und kühlen im Sommer zu wenig. Der zerstörende Raubbau an der Natur wird überall begleitet durch Vernichtung von Lebensgrundlagen im globalen Süden und der Unerträglichmachung von Arbeitsverhältnissen. Arbeitszeitverkürzung und Konversion der Arbeitsplätze der umweltschädlichen, profitablen Industrien – das ist eine Politik, die die Konzerne nicht wollen, die aber direkten umweltpolitischen Nutzen haben. Kurz: Die Ausplünderung der Natur ist ein kolonialistisches, arbeiterfeindliches, und lebensgrundlagenzerstörendes Projekt der großen Konzerne. Es ist eine Sache des Kampfes: Klimagerechtigkeit oder Konzernprofit. Ökologische Demokratie oder Kapitalismus.

Die ökologische Krise ist DIE soziale Frage

Die ökologische Krise ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts. Nachhaltigkeit ist die Antwort einer ökologisch-sozialen Politik. Und zu einer nachhaltigen Entwicklung gehören neben der Bekämpfung von Umweltverschmutzung, Bereitstellung von sauberem Wasser und sauberer Energie auch Armutsbekämpfung, Geschlechtergleichheit, Bildung und Frieden dazu.

Der zerstörende Raubbau an der Natur wird überall begleitet durch Vernichtung von Lebensgrundlagen im globalen Süden und der Unerträglichmachung von Arbeitsverhältnissen. Dies führt zurecht zu Flucht und Migration. Die Angst um die Zukunft steigt. Klimagerechtigkeit ist kein Thema esoterischer Hippies. Das wahre Gesicht der Ökologie ist schwarz, indigen, migrantisch, weiblich und vor allem – das Gesicht der Arbeiter*innenklasse. Insbesondere mit den weltweiten „Fridays for Future“-Schüler*innenstreiks wird die Not bewusst.

Der Umgang mit der Natur ist ein Umgang, der gar nicht zu trennen davon ist, wie wir leben, Dinge herstellen, wirtschaften, etc. Wir müssen die Umweltprobleme im Zusammenhang mit unseren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen sehen. Umweltprobleme sind Probleme unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Durch diese Wirtschaftsweise geht aber ein Riss, wir sind nicht alle gleichberechtigt dabei. Es gibt für uns weder Utopie noch Realpolitik, weder Frieden noch Europa, weder Demokratie noch Kultur, die in Zukunft weiter möglich sein wird, wenn die ökologische Frage, mit ihrem brennenden Kern: des Klimawandels, nicht gelöst wird.

Wir wollen den Sozialismus. Sozialismus bedeutet, dass wir die Gesellschaft und die Geschichte und unser ganzes Leben „mit vollem Bewußtsein selbst machen“ (Friedrich Engels) Noch einmal: Mit vollem Bewusstsein selbst machen. Und jede und jeder, der mit Bewußtsein die gesellschaftlichen Probleme ansieht, wundert sich, wieso diese nicht angepackt werden.

„Wir gehen von dem aus, was vernünftig und menschlich ist: Kein Mensch darf dazu gezwungen, sich zwischen einem guten Leben im Hier und Jetzt und der Zukunft unseres Planeten entscheiden zu müssen. Keine Arbeiterin und kein Arbeiter darf gezwungen werden, sich zwischen einem guten Arbeitsplatz und der Zukunft ihrer Kinder entscheiden zu müssen.“ (Bernd Riexinger)

Rechte Politik ist Klimasünderpolitik

Wir kämpfen gegen zwei rechte Politikweisen, die den Klimawandel verschärfen:

Soziale Frage UmweltAuf der einen Seite ein neoliberaler Technik-Optimismus, der nur auf die nächste, von einem privaten Unternehmen bereitgestellte Lösung wartet. Neoliberale glauben: es müsste erst nochmal ein Unternehmer reich werden, damit wir die Erde retten können. Auf der anderen Seite ein konservatives Untergangsdenken, was um an eine angeblichen Überbevölkerung kreist. Konservative und Faschisten glauben, es müsse alles so bleiben, wie es jetzt ist, und deswegen weniger Menschen da sein. Das ist menschenfeindlich und wissenschaftlich falsch. Es gibt genug Ressourcen, um alle Menschen zu versorgen. Wir stellen mehr als genug Essen z.B. für die ganze Weltbevölkerung her. Allerdings sehen wir auch: Es wird Essen vernichtet. Essen, was nicht zum normalen Preis verkauft werden kann, weil etwa die Leute kein Geld mehr haben, oder die „normalen“ Käufer bereits versorgt sind. Es wird vernichtet, denn es würde der Profit gesenkt werden, wenn damit der Hunger bekämpft würde: Hunger wird aufrechterhalten, damit Privatpersonen Profite machen können. Eine neoliberale und konservative Politik der Deregulierung, Marktgläubigkeit, Steuersenkungen, Kohle- und Atomprivilegien, Millionensubventionen für dreckige Energiekonzerne und die Autowirtschaft und Airlines, eine unökologische Landwirtschaft und Schwerindustrie bedeutet Umweltzerstörung und soziales Elend.

„Die Trennung zwischen „sozialen“ und „ökologischen“ Kämpfen als Folge von Urbanisierung kennen wir zwar überall im globalen Norden, in Deutschland ist sie aber besonders ausgeprägt. Das hat etwas mit der Geschichte zu tun. Die frühen Umweltbewegungen in Deutschland sind in den Grünen aufgegangen und wurden mittelfristig heim ins Bürgertum geholt. Aber es war schon immer so, dass das, was wir als Umweltprobleme bezeichnen – schlechte Luft, dreckige Fabriken, verseuchte Flüsse und so weiter – von reichen Leuten verursacht und von armen Leuten ausgebadet wird. Umweltprobleme sind immer soziale Probleme, sie haben immer mit Macht zu tun, sie haben mit Reichtum, mit Eigentum und mit Verteilung zu tun. Und mit Ungerechtigkeit. Ich mag tatsächlich den Begriff Umweltgerechtigkeit oder Klimagerechtigkeit lieber, weil da gezeigt wird: Diese Fragen sind nicht trennbar. Der Klimawandel ist ein Phänomen, das von den Reichen auf der Welt verursacht wird und den Armen auf der Welt bezahlt wird. Oder anders formuliert: Die, die am meisten dazu beigetragen haben, leiden am wenigsten darunter und umgekehrt. Das heißt, eine Klimawende in Deutschland ist untrennbar von einer globalen Gerechtigkeitswende. Der Begriff sozial-ökologisch ist, denke ich, hier in Deutschland wichtig, denn er ist etwas stärker verbreitet als jener der Klimagerechtigkeit. Viele deutsche Linke erlauben sich immer noch den Luxus zu sagen, Umweltprobleme seien irgendwelche eisbärfluffigen Öko-Luxus-Probleme. Wenn Leute an unserer Produktions- und Lebensweise anderswo auf der Welt verrecken, die meistens auch noch People of Color, viel ärmer und oftmals Frauen sind, wie ist das denn kein linkes Problem? Wie ist das denn kein soziales Problem? Und deswegen ist der Begriff sozial-ökologisch wichtig.” (Tadzio Müller, Referent für Klimagerechtigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Und ohne Lösung der ökologischen Frage wird nicht nur alles, was hier unvernünftig läuft, in Frage gestellt werden: Auch die Bedingungen für ein vernünftiges Wirtschaften und Leben werden zerstört werden, wenn die planetaren Grenzen nicht eingehalten werden.

Soziale Frage Umwelt

Ganz Köln ein Obstgarten! Ökologisch und sozial!

Ökologie ist ein Thema, dass in alle Bereiche unserer Politik einfließt. Köln braucht Urban Gardening, eine Aufforstung des Hambacher Forst, eine Rheinenergie mit ökologischer Ausrichtung, eine Bevorzugung des Fahrradgesetzes, ein Wegkommen von der „autogerechten Stadt“.

„Der Rat der Stadt Köln hat den Klimanotstand beschlossen. Köln hinkt den Klimazielen jedoch hinterher. DIE LINKE will, dass den Worten auch endlich Taten folgen. Die RheinEnergie spielt dabei eine Schlüsselrolle. Deshalb unterstützen wir das Bürgerbegehren der „Initiative Klimawende Köln“. Wir fordern außerdem, dass die RheinEnergie einen sozial gerechten, den Grundbedarf berücksichtigenden Strom- und Gastarif anbietet“, schreiben wir in unserem Programm.

Wir haben aus dieser Einsicht Arbeitskreise für unsere Stadtratsfraktion aufgemacht: Umwelt  und Stadtentwicklung etwa.

Wenn der politische Wille da ist, gibt es mehr als genug Geld für ein Projekt, das nachhaltig ist und das Leben der Menschen vor Ort verbessert. Das heißt, falls trotz ausgefeilter Finanzierungskonzepte eine Deckungslücke auftaucht: Klimarettung statt Bankenrettung. Der Staat (und auch die EU) müssen ihre Aufgabe wahrnehmen und auch kommenden Generationen das Überleben ermöglichen.“ (Die LINKE)

„Wir wissen, dass der Profit und nicht die gesellschaftlichen Interessen im Zentrum der kapitalistischen Wirtschaftsordnung stehen. Wir rechnen mit dem Widerstand derer, die bei ihren Geschäften auf fossile Brennstoffe setzen. Zur klimaneutralen Produktionsweise gibt es aber keine Alternative. Sie muss durchgesetzt werden.“ so fordern wir.

Für die Lösung der Ökologischen Frage haben wir keine Jahrhunderte, nicht einmal mehr viele Jahrzehnte. Wir sehen die Schwierigkeiten. Aber wenn wir uns gemeinsam eine ökologische Zivilisation aufbauen wollen, wer soll uns aufhalten? Wir brauchen ein klimaneutrales Köln bis 2030!